- April 14, 2026
- Daniel Haser
- 10:34
Am 11. April versammelten sich die Zuhörer in der warmen Stube der Gunkelstube, wo Justus Hofmeister, ein Jäger aus dem Ort, das Wort ergriff. Es war kein Vortrag im nüchternen Sinne, sondern vielmehr eine stille Annäherung an das Wesen des Wildes – an jene Geschöpfe, die sich dem flüchtigen Blick entziehen und doch das Rückgrat unserer Landschaft bilden.
Zu Beginn entfaltete Hofmeister ein lebendiges Bild der heimischen Tierwelt: Reh und Fuchs, Rotwild und Wildschwein, Feldhase und Dachs. Mit ruhiger Stimme sprach er von ihren Wegen, ihren Instinkten und den unsichtbaren Grenzen ihrer Reviere. Dabei nahm er den Zuhörern eine weitverbreitete Sorge: Die Begegnung mit dem Wildschwein, oft gefürchtet, sei für den Menschen nahezu ausgeschlossen. Nur wer unbedacht zwischen eine Bache und ihre Frischlinge gerate, betrete jenen schmalen Grat der Gefahr – ein Umstand, der in der Wirklichkeit kaum je eintritt.
Doch die Jagd, so wurde bald deutlich, ist mehr als das stille Beobachten und Verstehen. Sie ist eingebettet in ein Gefüge aus Ordnung und Verantwortung. Hofmeister schilderte den Aufbau der Jagdgenossenschaften, in denen sich die Eigentümer des Landes zusammenschließen, und die Aufteilung der Flächen in Reviere, die in unserem Dorf zwischen 500 und 800 Hektar umfassen. Diese werden in die Hände von Pächtern gelegt – Ihnen obliegt es, kundigen Jägern den Zugang zu gewähren, stets gebunden an Wissen, Erfahrung und Maß.
Doch selbst in dieser Ordnung bleibt das Wild nicht unberührt. Es steht im Spannungsfeld einer sich wandelnden Welt: Tourismus und Wintersport dringen in seine Rückzugsräume vor, Siedlungen wachsen, und die Land- und Forstwirtschaft beanspruchen ihren Anteil. Zwischen all diesen Kräften bewegt sich das Wild – wachsam, anpassungsfähig und doch verletzlich. Hofmeister sprach sich mit Nachdruck für ein besseres Miteinander aus, für ein Gespräch zwischen all jenen, die die Landschaft nutzen, damit nicht einer gewinnt, indem ein anderer verliert.
In seiner Haltung offenbarte sich ein Jäger, wie er selten geworden ist. Kein bloßer Nutzer, sondern ein Beobachter und Bewahrer. Selbstkritisch, klar im Urteil und getragen von einer tiefen Verbundenheit zur Natur, sprach er nicht nur über das Wild, sondern für es. In seiner Besonnenheit und Leidenschaft wurde spürbar: Hier steht einer, der die Stille des Waldes versteht – und der weiß, dass der Mensch nur ein Teil von ihm ist.
So bleibt am Ende nicht nur die Erinnerung an einen Vortrag, sondern das leise Gefühl, dass die Ordnung der Natur dort Bestand hat, wo Menschen ihr mit Respekt begegnen.